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Ich liebe meine Sportart, weil sie keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen macht: Beim Fallschirmsprung sind alle gleich. Nur das Ziel, die Leistung und die Kompetenz zählen: Mehr verlangen wir nicht, sowohl in der Luft, als auch am Boden. Worin besteht ihr Erfolg? Es ist wie bei einem Eisberg: Verborgen unter der beeindruckenden Spitze befinden sich Krisen, Misserfolge und Ängste. Das Geheimnis ist, in der Gegenwart zu bleiben, das Ziel im Auge zu behalten und an der mentalen Stärke zu arbeiten.
Leocadie Ollivier de Pury
Scharfer Fokus auf das Ziel und die Fähigkeit, jede Entscheidung mit der Geschwindigkeit des freien Falls neu zu gestalten. Eine Einstellung, die sie zu einer mehrfachen Weltmeisterin gemacht hat und was sie sich durch Disziplin und harte Arbeit erobert hat. Unverzichtbar beim Fallschirmspringen, aber auch inspirierend im Alltag.
Seit 2013 ist sie militärischer Elite-Fallschirmspringerin und Mitglied der französischen Nationalmannschaft. Leocadie musste sich ihren eigenen Weg hart erkämpfen, bis sie heimisch in dieser Sportart wurde. Als sie 12 Jahre alt war, verlor sie ihren Vater und ihre Schwester starb im Jahr 2016. Unterstützung und Antrieb im Sport fand sie bei ihrer Mutter, einer ehemaligen Weltklasse-Athletin. Nach ihrem Abschluss als Krankenpflegerin widmete sie sich ganz dem Leistungssport und gewann Weltmeistertitel in den Disziplinen Punktlandung, Voltige und Combiné. Bis heute ist ihr schönster Sieg die Goldmedaille in der Kategorie Open, die sie 2023 in Dubai errang. Als Erstplatzierte – auch vor den Männern – bewies sie, dass Talent kein Geschlecht kennt.
Leocadie Ollivier De Pury für Yalea Eyewear
Mit dieser Kampagne stellt Yalea die Selbstbehauptung der Frauen auch im beruflichen Bereich in den Mittelpunkt: eine klare Vision, Form und Substanz zu vereinen und neue Visionen zu inspirieren. Eine Kollektion, die dazu einlädt, Grenzen zu überschreiten und über den Tellerrand zu schauen.
Mentale Stärke, Konzentration, der gegenwärtige Moment: Das sind drei Aspekte, die Sie während unseres Treffens sehr betont haben. Sie souverän zu meistern, ist keine leichte Aufgabe: Wie haben Sie das geschafft? Und haben Sie es allein geschafft? Inwieweit berührt sie das Schicksal anderer Menschen?
„Ich lebe in der Gegenwart, ich schaue nicht in die Zukunft und die Vergangenheit ist Vergangenheit. Die Gegenwart ist alles, was wir haben, um unsere Ziele klar vor Augen zu haben. Wenn du ein Ziel hast, musst du innehalten und wahrnehmen, was dein Körper dir sagt, was du tief in deinem Herzen fühlst, und es dann verfolgen. Wenn sich der Weg als falsch herausstellt, ist das auch in Ordnung: Daraus lernen wir und suchen nach einem anderen Weg. Das Gleiche gilt für Schuldgefühle: Man muss nicht immer 100 Prozent geben. Wenn du heute nur 50 Prozent geben kannst, dies aber mit 100 Prozent Engagement, hast du dein Bestes getan, worauf du stolz sein kannst. Gerade bei weniger Ressourcen braucht man doppelt soviel Mut. Das Geheimnis ist, in der Gegenwart zu leben, sich auf das zu konzentrieren, was man jetzt tun kann, ohne unnötiges Bedauern oder Ängste.
Oft sind unsere Gedanken der furchterregendste Gegner: Ich habe jahrelang jeden Tag daran gearbeitet, quälende Gedanken zu positiven zu transformieren. Heute weiß ich, dass mentale Stärke, Konzentration und Gewahrsein das Ergebnis täglicher Entscheidungen sind.
Mir ist jedoch bewusst, dass ich in dieser Hinsicht privilegiert bin, weil mich beim Sport ein Netzwerk von Fachleuten anleitet und begleitet. Vor jedem Wettkampf gibt es zum Beispiel eine technische Einweisung und die Unterstützung von spezialisierten Stresstherapeuten, die mir helfen, die Anspannung zu akzeptieren, anstatt sie zu verdrängen, und die mir mit Anleitungen und Techniken helfen, die Angst in Motivation zu verwandeln.
Aber für den Anfang kann im täglichen Leben das Netzwerk unserer engsten Kontakte einen Unterschied machen: Auf Familie, Freunde und Kollegen kommt es an. Zu wissen, dass man nicht allein ist, macht es leichter, Herausforderungen zu meistern. Mit vereinten Kräften kann jedes Hindernis überwunden werden, ein Schritt nach dem anderen. Ich glaube, dass mentale Stärke, Konzentration und der gegenwärtige Moment wertvolle Werkzeuge sind, die man in jedem Bereich und in jeder Lebenslage kultivieren sollte, weil sie dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern und eine größere Zufriedenheit beim Erreichen der persönlichen täglichen Ziele zu finden.“
Mentor sein: das heißt, an jeden Einzelnen glauben, ganz gleich welchen Geschlechts
Es gibt eine Instanz, die die Wirklichkeit jenseits aller Rollen, Geschlechterkämpfe und Vorurteile gestaltet, und das sind wahre Vorbilder. Jemand, der deine Fähigkeiten und deine Potenziale erkennt und an deine Stärken glaubt, und zwar besser als du selbst. Manchmal auch, bevor du dir selbst deiner Stärken bewusst wirst. Das ist die Einstellung, mit der wir sogar Konflikte und Ungerechtigkeiten der Vorfahren lösen könnten, sofern wir sie alle verfolgen würden. „Es ist mir egal, ob du eine Frau, ein Mann oder ein kleines Mädchen bist: Ich sehe dich an und erkenne, dass du alles hast, was es braucht, um ein Champion zu sein. Du hast Gold in deinem Körper, aber Chaos in deinem Kopf. Arbeite daran, das Gold zu fördern. Meine Trainer haben nur mein Talent gesehen, nicht mein Geschlecht. Das war mein großes Glück. Es ist eine Einstellung, die sich hoffentlich immer mehr verbreitet.“
In dieser Kampagne sprechen wir über das Kristalldach, das es Frauen und Mädchen zu schaffen macht. Aber wir freuen uns auf den Tag, an dem das kein Thema mehr sein wird. Eine der letzten Instanzen, an denen wir erwartet hätten, etwas über Gleichberechtigung zu hören, ist das Militär. Aber Ihre Erfahrung gibt uns einen interessanten Einblick in das, was passiert, wenn eine Sportart uns lehrt, Ergebnisse mehr zu schätzen als Vorurteile: Lassen Sie uns mit Dubai 2023 beginnen und erzählen Sie uns mehr davon…
„2023 fand in Dubai die siebte Internationale Fallschirmsprungmeisterschaft (DIPC) statt. 168 Athleten, 40 Teams aus 27 Ländern waren vertreten: Ich habe Gold bei der Präzisionslandung der Frauen gewonnen, vor allem aber auch Gold, also den ersten Platz in der Disziplin „Open“. In dieser Kategorie treten Männer und Frauen gleichberechtigt an. Hier gibt es keine Unterschiede, niemanden, hinter dem man sich verstecken kann, nur den Himmel und den Horizont, Luft und Wind sowie das Ziel, wo du punktgenau landen willst. Für mich war es ein magischer Moment: Ich stand auf dem Siegertreppchen der Weltmeisterschaft. Dubai 2023 war für mich ein Wendepunkt, nicht nur wegen der sportlichen Ergebnisse, sondern auch wegen dessen, was es repräsentiert: die Anerkennung von Verdiensten jenseits von Vorurteilen. Die Ergebnisse sprachen für sich: Ich war die einzige Frau in der gemischten französischen Mannschaft und meine Ergebnisse waren die besten von allen. Soviel dazu. Es ist eine der wichtigsten Erinnerungen, die ich habe: An diesem Tag fühlte ich mich endlich ganz an meinem Platz.
Aber es hat zehn Jahre Arbeit, Zweifel und Wachstum gebraucht, um dorthin zu gelangen. Es war kein Zuckerschlecken, aber ich schätze mich glücklich, dass ich meinen Weg in einem Umfeld gegangen bin, in dem gegenseitiger Respekt, Unterstützung und Loyalität im täglichen Umgang erwartet werden. Im militärischen Umfeld, in der Sportmannschaft, wenn du zeigst, dass du Gleiches leistest, erkennen die Männer das an und unterstützen dich als Gleichgestellte. In vielen Bereichen außerhalb des Sports, sieht das anders aus, und oft machen sich Unwissenheit oder Neid breit. Es stimmt, dass strenge Verhaltensregeln wie eine Einschränkung der Freiheit erscheinen mögen, aber vielleicht dienen sie auch als gute Leitlinie, sodass keine Vorurteile gedeihen. Wir müssen uns nicht vor ungerechtfertigten Angriffen verteidigen und haben die nötige Energie zum Erreichen unserer Ziele. In einer idealen Welt würden alle so denken, aber im Moment müssen wir mit dem auskommen, was wir haben.“
Heute stehen Sie auf dem Dach der Welt des Fallschirmsports, doch der Weg dorthin war nicht immer einfach. Wie sind Sie mit Ihren Ängsten oder der grundlosen Kritik, die Sie erhalten haben, umgegangen? Welche Rolle hat dies auf dem Weg zum Erfolg gespielt?
„Lassen Sie uns erst einmal festlegen, was Erfolg eigentlich ist: Für mich ist er wie ein Eisberg, unter dessen majestätischer Spitze sich Krisen, Misserfolge und Ängste befinden. Der sichtbare Teil sind die Medaillen, die Posts auf Instagram, das Lächeln auf dem Siegertreppchen. Aber darunter gibt es alles andere – gebrachte Opfer, Momente der Niedergeschlagenheit, Zweifel. Das ist alles Teil des Erfolgs und daran ist nichts auszusetzen. Wir haben bereits über die Bedeutung der mentalen Stärke gesprochen, und der Umgang mit Ängsten und Kritik gehört zweifelsohne zu den wichtigsten Aufgaben auf dem Weg zum Ziel. Was die Kritik betrifft, die höre ich mir an und analysiere sie. Wenn sie von Unwissenheit oder Neid bestimmt ist, reagiert mein Verstand einfach nicht und ich kann gelassen darüber hinwegsehen. Aber wenn eine Kritik zu meinem Wachstum beitragen kann, versuche ich zu verstehen, was die Person mir sagen will, und stelle mich selbst in Frage: Man weiß nie, woher der nächste nützliche Vorschlag kommt.
Und was ist mit Ängsten? Da gibt es keinen Ausweg. Man muss sich den eigenen Ängsten, einer nach der anderen stellen und sollte sie nicht verdrängen. Sie müssen akzeptiert, analysiert und transformiert werden. Die Angst ist der Begleiter eines jeden Spitzensportlers. Außerdem müssen wir lernen, die Angst als Begleiter zu akzeptieren, anstatt sie zu leugnen. Damit können wir sie in geistigen Treibstoff verwandeln. Wie ich schon sagte, ist dies ein Weg, den man nicht alleine gehen sollte. Nicht nur, weil uns die Unterstützung von außen den Umgang mit den Dingen erleichtert, sondern weil oft schon der gemeinsame Sprung ausreicht, um unsere Perspektive völlig zu verändern. Das gilt auch für das, was wir über den Erfolg denken: Als ich klein war, dachte ich, gewinnen sei einfach. Heute weiß ich, dass wahrer Erfolg darin besteht, den Mut zu haben, alles zu erkennen, was hinter einem Sieg steckt. Und das größte Dankeschön geht an diejenigen, die an mich geglaubt haben, auch wenn ich mit meiner Sichtweise falsch lag.“






